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Am 7. Juli 2011 feierte das Musical „Ludwig 2“ in der Kemptener BigBox umjubelte Premiere vor ausverkauftem Haus. Nach über vier Jahren ist das Stück somit pünktlich zum 125. Todestag des Märchenkönigs zurück auf der Bühne. Das Musical aus der Feder von Konstantin Wecker, Christopher Franke und Rolf Rettberg war bereits von 2005 bis 2007 im Festspielhaus Füssen zu sehen. Die Neuinszenierung ist stark überarbeitet. Neben zwei neuen Stücken wurde zudem auf einige Titel verzichtet. Der Plot ist zwar identisch, aber die Texte wurden im Vergleich zur Füssener Version deutlich verändert.
So liegt der Schwerpunkt mehr auf den dramatischen Ereignissen kurz vor Ludwigs Tod und weniger auf der Zeit vor der Königskrönung, der die Kindheit des Monarchen und das wenig harmonische Verhältnis seiner Eltern zueinander sowie seine innige Beziehung zu seinem Kindermädchen zeigt. Die gesamte Inszenierung überzeugt durch eine hohe historische Dichte. Wer den König davor vergöttert hat, wird genauso auf seine Kosten kommen wie der, der den König schon immer für ein bißchen „Gaga“ hielt.
Das Stück handelt, wie der Name schon sagt, von König Ludwig II, der als junger Mann bereits die Bürde der bayerischen Königskrone tragen muss, sich aber wenig für Politik und Kriegsführung interessiert, sondern sich vielmehr als kunstinteressierten, pazifistischen Visionär sieht. Dies führt schließlich dazu, dass er durch seine Exzentrik, seine Ablehnung gegen Gewalt, seine Faszination für die Musik Wagners und seine wahnwitzigen Bauunternehmungen ein Opfer des bayerischen Ministerrates wird, der ihn schlussendlich durch den renommierten Psychiater Bernhard von Gudden für verrückt erklären und somit absetzen lässt. Die Festsetzung auf Schloss Berg am Starnberger See endet schließlich hochdramatisch mit dem Tod Ludwigs.Â
Der letzte Schuss ist noch nicht verhallt und der Schattenmann, der Ludwig durch das ganze Musical begleitet hat, kann seine Freude kaum verbergen, als er das Leben des Königs durch einen gezielten Schuss beendet, und dennoch ist schon klar, was für eine großartige Veranstaltung die Premiere von „Ludwig 2“ in Kemptens BigBox war. Dass der König von Heckenschützen ermordet worden ist - eine der Theorien Ludwigs Tod betreffend - gewinnt an Festigkeit im Theater in Kempten. Die magische Kraft des märchenhaften Königs ist auch im Jahr 2011 ungebrochen. König Ludwig II, so exzentrisch er auch gewesen sein mag, er ist nach wie vor eine hoch emotionalisierende Person. Hervorragend gespielt von Matthias Stockinger, feiert der letzte echte bayerische König mehr als nur eine kurzweilige Auferstehung. Der Darsteller gibt seine Rolle in so ernstzunehmender Weise die seinesgleichen sucht. Stockinger spielt Ludwig nicht, er ist der König höchstpersönlich! Er schafft es, einen empfindsamen und verletzlichen Ludwig zu erschaffen, der sich bis zuletzt seine Kindlichkeit bewahrt hat, aber auch durch seine emotionalen Ausbrüche überrascht. Durch seine extrem starke Bühnenpräsenz zieht er das Publikum von Anfang an in seinen Bann. Neben neuen Gesichtern sind auch einige altbekannte Darsteller aus der Füssener Inszenierung dabei. Norbert Lamla, Christa Wettstein oder Suzan Zeichner dürften bereits dem Publikum in Füssen ein Begriff gewesen sein.
Norbert Lamla erheitert die Zuschauer zunächst als Ludwigs Vater, König Max, der die Spannungen zwischen ihm uns seiner Frau Marie mit viel Witz und ausgeprägt komödiantischem Talent zum Besten gibt. Anschließend schlüpft er in die Rolle des Dr. Gudden und kann sowohl stimmlich als auch darstellerisch absolut überzeugen. Man nimmt ihm die innere Zerrissenheit, die er aufgrund seines ärztlichen Kodex einerseits und seiner Verwicklung und Bestechlichkeit in der Intrige um Ludwigs Absetzung andererseits verspürt.
Ein weiterer Publikumsliebling in der Kemptener Aufführung wird zweifellos Martin Markert werden, der den Bruder des Königs, Prinz Otto, phantastisch spielt. In „Die Nacht marschiert“ überzeugt er durch die hervorragende Interpretation des Prinzen, der psychisch krank aus dem Krieg zurückkehrt und die schlimmen Bilder, die er gesehen hat, nicht vergessen kann.
Die Inszenierung, die in Kempten für knapp zwei Monate zu sehen sein wird, besticht weniger durch das Bühnenbild als durch die durchwegs starke darstellerische Leistung. Die Kulisse besteht lediglich aus mehreren beweglichen Schiebekonstruktionen, die je nach Szene entsprechend angeordnet werden. Die Konstruktionen dienen außerdem als Projektionsflächen, über die viel der Atmosphäre kommuniziert wird, sei es den Lärm des Krieges, aber auch die märchenhafte Kulisse des Schlosses Neuschwanstein. Das reduzierte Bühnenbild ist ohne Frage dem Spielort und der kurzen Spieldauer geschuldet, tut der Qualität des Musicals aber keinen Abbruch. Außer einigen kleinen technischen Mängeln, die im Laufe der nächsten Vorstellungen bestimmt abgestellt werden können, gibt es wenig Kritik an der Inszenierung zu finden. Der Weg nach Kempten lohnt sich daher ohne Frage und wer den Ausflug ins Allgäu bis zum 28. August noch einrichten kann, wird sicherlich nicht enttäuscht sein. (dsc)
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