Ich gehör nur mir – eine Hommage an die Musicals von Silvester Levay und Michael Kunze
Mittwoch, den 18. Mai 2011 um 19:09 Uhr
Kristin Hölck und Jan Ammann - Bild: Stephan Drewianka„Ich gehör nur mir“ – so hieß die Musicalgala, die am 16. Mai 2011 im Deutschen Theater in München für ein restlos begeistertes Publikum sorgte. Die Liste der Darsteller konnte sich sehen lassen: neben festen Musical-Größen wie Ethan Freeman (Special Guest), Patrick Stanke, Sabrina Weckerlin, Jan Ammann und Kristin Hölck waren auch die Nachwuchskünstler Annika Firley und Sascha Kurth mit von der Partie. Die musikalische Begleitung am Flügel übernahm keine Geringere als Marina Komissartchik, die als Pianistin aus der Musical-Szene nicht mehr wegzudenken ist. Außerdem kam mehrmals am Abend der Chor des Ruhrpott-Pourie-Ensemble auf die Bühne, um die Solisten zu unterstützen.

Sabrina Weckerlin - Bild: Stephan DrewiankaDas Konzept des Abends ist schnell erklärt: man nehme die „Drama Musicals“ von Silvester Levay und Michael Kunze: „Elisabeth“, „Mozart!“, „Rebecca“ und „Marie Antoinette“ und präsentiere die Highlights aus diesen Stücken. Die größten Blöcke des Abends machten allerdings „Elisabeth“ und „Mozart!“ aus, denen jeweils knapp eine Stunde gewidmet war. Auch wurden beide Musicals durch kurze Erklärungen zwischen den Stücken sehr anschaulich erläutert und somit konnte jeder Zuschauer – auch ohne die Story vorher zu kennen – leicht folgen. Die Erklärungen enthielten zudem interessante geschichtliche Details, die in den Musicals selbst gar nicht vorkommen, was den Abend zu einem sehr kurzweiligen und interessanten Erlebnis machte.

Schade, dass diese Erklärungen nicht in den weniger bekannten Stücken „Rebecca“ und „Marie Antoinette“ fortgeführt wurden. Gerade hier hätte es dem Publikum sehr gut getan, die Geschichte hinter den Songs zu erfahren, um diese besser einordnen zu können. Auch kam die schauspielerische Leistung der Solisten erst durch den erzählerischen Rahmen so richtig zum Tragen.

Annika Firley und Patrick Stanke - Bild: Stephan DrewiankaDie Highlights des Abends zu benennen ist keine leichte Sache. Lassen sich bei anderen Musical-Veranstaltungen schnell die Höhepunkte identifizieren, so jagte bei „Ich gehör nur mir“ vielmehr ein Highlight das nächste. Patrick Stanke brachte jedes Stück in gewohnter Perfektion. Und mit „Wie wird man seinen Schatten los“ („Mozart!“) begeisterte er auch den letzten Zuschauer im Saal restlos und sorgte für minutenlangen Applaus. Jan Ammann, der vielen als Graf von Krolock aus „Tanz der Vampire“ bekannt ist, erinnerte mehrmals am Abend an eben diesen, konnte sich aber vorallem mit „Gott warum“ als potentieller Maxim de Winter für die deutsche Uraufführung des Musicals „Rebecca“ empfehlen. Auch sein Duett mit Kristin Hölck „Wenn ich tanzen will“ („Elisabeth“) jagte sicherlich dem ein oder anderen Zuschauer Gänsehaut über den Rücken.

Sascha Kurth - Bild: Stephan DrewiankaSascha Kurth konnte als Kronprinz Rudolf und „Wenn ich Dein Spiegel wär“ stimmlich absolut überzeugen und brachte den zutiefst verzweifelten Sohn der Kaiserin Elisabeth schauspielerisch exzellent. „Der Prinz ist fort“ („Mozart!“) wurde von Annika Firley äußerst emotional und stimmgewaltig vorgetragen und ließ das Publikum bis zum letzten Ton den Atem anhalten. Obwohl ein weniger bekanntes Stück, bekam Sabrina Weckerlin mit ihrem beeindruckenden „Ich weine nicht mehr“ („Marie Antoinette“) Standing Ovations. Ethan Freeman begeisterte schließlich mit einer interessanten Interpretation von „Kitsch“ („Elisabeth“) in seiner Paraderolle als Luigi Lucheni, welchen er bereits bei der Uraufführung des Musicals 1992 in Wien gespielt hatte.

Abgesehen von den fehlenden Erklärungen bei den Musicals „Rebecca“ und „Marie Antoinette“ war die Gala ein von vorne bis hinten gelungener Abend, der gute Einblicke in die Welt von Kunze/Levay gab und Appetit auf mehr gemacht haben dürfte. Die drei Stunden vergingen wie im Flug und waren Musical-Unterhaltung vom Feinsten und auf allerhöchstem Niveau. Es bleibt zu hoffen, dass „Ich gehör nur mir“ noch auf weiteren Bühnen in Deutschland zu sehen sein wird. (dsc)
 

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