Jekyll und Hyde - Starbesetzung zieht Schwäbisch Gmünd in den Bann
Samstag, den 08. Januar 2011 um 17:13 Uhr
Kaum ist Weihnachten vorbei, die Tannenbäume aus den Wohnzimmern verschwunden und die Menschen beginnen wieder zu arbeiten, werden auch die Themen auf der Musicalbühne ernster. Das EURO-STUDIO Landgraf zeigt mit dem Stadtheater Fürth "Jekyll und Hyde", das auf der Novelle von Robert Louis Stevenson beruht, in einer großen Deutschlandtournee. Am 7. Januar 2011 machte die Inszinierung von Andreas Gergen und Christian Struppeck Halt im Congress Centrum in Schwäbisch Gmünd. 

Dr. Jekyll ist nach dem Tod seines Vaters fast besessen davon, ein Mittel zu finden, das Gute vom Bösen im Menschen zu trennen, um dadurch Wahnsinn heilen zu können. Da sein Plan wenig Zustimmung findet, wird er selbst seine eigene Testperson und verwandelt sich in Edward Hyde, ein Monster. Während Jekyll kurz vor der Hochzeit mit seiner Verlobten Lisa steht, fühlt sich Hyde zur Prostituierten Lucy hingezogen, die mit der Hoffnung lebt, ein besseres Leben führen zu können. Doch auch sie ist in Gefahr. Nachdem Hyde alle seine ehemaligen Zweifler aus dem Weg geräumt hat, bringt er auch Lucy um, da diese Jekyll Hyde vorzieht. Auch Hydes Verlobte kommt am Tag ihrer Hochzeit in Lebensgefahr, doch sie erinnert ihn an ihre Liebe und es gelingt ihr, Jekyll in Hyde zu wecken. Utterson, ein Freund und der Anwalt Jekylls, soll Jekyll erlösen und töten. Er bringt es allerdings nicht übers Herz und drückt erst ab, als Jekyll sich erneut in Hyde verwandelt.

Schon das Bühnenbild versetzte das Publikum in die passende Stimmung für das folgende Stück. Jan Freese schafft es mit drei großen Bühnenelementen alle Szenen passend darzustellen. Durch diese Rahmen mit Schiebeelementen werden sowohl das Bordell, Jekylls Labor als auch der Hydepark oder ein Friedhof dargestellt, wobei das Licht (Ralf Sphan) das Übrige tut, um die jeweilige Stimmung zu erzeugen. Vor allem bei der Konfrontation von Jekyll und Hyde, in der der Darsteller innerhalb von Sekunden zwischen beiden Rollen wechseln muss, ist das Licht von großer Bedeutung, unterstützt das Verständnis und zeigt die Zweiteilung in Jekyll. Auch die Kostüme von Court Watson passen nahezu perfekt in die Zeit des Stücks und machen es dem Ensemble möglich, schnell zwischen verschiedenen Rollen hin und her zu schlüpfen. So werden die Frauen des Volkes nur durch das Anlegen von kurzen Ballröcken vor den Augen der Zuschauer zu Gästen der Verlobungsfeier von Jekyll und Lisa.
Das Ensemble begeistert vor allem in den Ensemblestücken wie "Fassade" und "Mörder" durch Stimmgewalt und tänzerisches Geschick. Die Choreografie von Kim Duddy unterstützt die Geschichte und begeistert vor allem bei "Schafft die Männer ran" und "Mörder". "Schafft die Männer ran" schien das zu Beginn eher zurückhaltende Publikum regelrecht wach zu rütteln und sorgt für den ersten richtig großen Beifall des Abends.

Die prominente Cast übezeugt durchweg durch ihre Darbietungen. Christoph Goetten nimmt man als John Utterson seine Besorgnis und vor allem seine tiefe Freundschaft zu Jekyll ab. Seine warme, volle Stimme unterstützt die Wahrnehmung des Charakters vollkommen. Lea Delos Santos zeigt als Lisa ihr volles Talent. Sowohl schauspielerisch als auch gesanglich gelingt ihr die Wandlung von der liebenden zur verzweifelnden Frau, die letztendlich nie die Liebe zu Jekyll verliert. In den hohen, wie auch den tiefen Lagen begeistert die gebürtige Philippinin und zieht das Publikum in ihren Bann. Vor allem bei "Da war einst ein Traum" rührt sie das Publikum und wird dafür mit viel Applaus belohnt. Lisas Verlobter Dr. Jekyll wird von Yngve Gasoy Romdal, der die Rolle bereits in Köln spielte, verkörpert. Er begeistert durch seine warme Stimme, u.a. in "Dies ist die Stunde", und sein schaupielerisches Talent. Die Schwierigkeit der Rolle liegt eindeutig in dem Wechsel zwischen Jekyll und Hyde. Romdal meistert dies allerdings ohne Probleme. Sichtbar gemacht wird diese Unterscheidung nur durch die Frisur, während Jekyll die Haare streng nach Hinten trägt, hat Hyde offene Haare. Ansonsten liegt es an Romdal diese Unterscheidung klar zu zeigen. Er schafft es durch Körperhaltung und Stimmfarbe, aus Jekyll Hyde zu machen und auch im Publikum Gänsehaut zu zaubern. Seine Stimmgewalt und auch seine Mimik und Gestik begeistern. Schade jedoch, dass der Text des Norwegers  teils unverständlich war, vor allem in der Hyde-Rolle.

Der Star des Abends ist eindeutig Sabrina Weckerlin als Lucy. Schon in ihrem ersten Auftritt zeigt die Schwarzwälderin, womit zu rechnen ist. Stimmgewaltig und vor allem sinnlich erotisch weckt sie das Publikum auf. Die Rolle ist wie für Weckerlin gemacht, sie kann ihre gefühlvolle Seite ebenso zeigen, wie ihre Kraft und ihr Selbstbewusstsein. Die Wandlung wird besonders deutlich, beim Vergleich von "Komm schaff die Männer ran", "Jemand wie du" und "Mein Leben".

Insgesamt zeigt "Jekyll und Hyde" wie gut eine Tourproduktion sein kann. Die opulente Musik Wildhorns wird durch ein Orchester des Nationalen Akademischen Bolschoi Opern- und Ballett-Theater Minsk wiedergegeben. Das einzige Manko des Abends war der nicht ausverkaufte Saal, was zu einer zurückhaltenden Gesamtstimmung beitrug, und die in Teilen zu laute Musik für den Gesang der hervorragenden Darsteller. Insgesamt bleibt jedoch ein positiver Eindruck und das Publikum dankte für einen gelungenen Abend mit Standing Ovations. (sh)


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