Elisabeth – Die Kaiserin gibt Audienz in München
Samstag, den 24. Oktober 2009 um 14:30 Uhr
Oliver Arno als Tod und Annemieke van Dam als Elisabeth - Bild: Herbert Schulze1992 feierte das Musical um die Kaiserin Elisabeth seine Uraufführung  im Theater an der Wien. Viele Stationen machte das  von der Presse zunächst umstrittene und schließlich gefeierte Stück seither, denn Elisabeth hatte ihr begeistertes Publikum gefunden. Nicht nur Österreich und Deutschland konnte das Musical überzeugen, sondern auch ferne Länder, wie Asien, wo die Rolle des Todes beispielsweise durch eine Frau verkörpert wurde.
Am 23. Oktober 2009 feierte das Stück nun Premiere im Deutschen Theater in München - Fröttmaning.
Elisabeth, Premiere in München - Bild: musical-total.de„Elisabeth – Die wahre Geschichte der Sissi“, aus der Feder von Silvester Levay (Musik) und Michael Kunze (Buch),  erzählt die Lebensgeschichte der österreichischen Kaiserin Elisabeth: Von der Jugend des Mädchens über deren Einzug bei Hofe, dem Machtkampf gegen das Hofzeremoniell und gegen Erzherzogin Sophie, von der überschatteten Ehe mit Kaiser Franz Joseph und nicht zuletzt vom Hang der Kaiserin zum Tod.
Laut Michael Kunze sei es so gewesen, als hörte er Elisabeth sagen: „Schreibe ein Bühnenstück über mich, in dem ich nicht wie ein kleines Dummchen dargestellt werde, das einen Kaiser geheiratet hat. Ich möchte als eine Frau gesehen werden, die ihrer Zeit hundert Jahre voraus war.“

Und genauso stellte die Holländerin Annemieke van Dam, die schon Erfahrung in der Titelrolle u.a. in Berlin sammeln konnte, den Charakter der schönen und todessehnsüchtigen Elisabeth dar. Vom ersten Moment an – als junge Sissi – hatte sie volle Bühnenpräsenz, strotzte vor Kraft und Selbstbewusstsein, zeigte eine überzeugende schauspielerische Leistung und traf auch die höchsten Töne, z.B. bei „Ich gehör nur mir“ einwandfrei. Die Verwandlung des jungen lebensfrohen Mädchens zur verbitterten, gealterten Kaiserin meisterte sie vortrefflich.

Elisabeth, Premiere in München - Bild: musical-total.deOliver Arno verkörperte die Rolle des Todes und dies auch nicht zum ersten Mal. Dennoch ist der erste Eindruck dieses Todes ein völlig anderer als bei seinen Vorgängern. Nicht androgyn und geheimnisvoll, - wie einst Uwe Kröger - oder vor Energie sprühend und rockig - wie Mate Kamaras. Oliver Arno vermittelte im ersten Moment den Eindruck eines sehr jungen, wenn nicht sogar unschuldigen Todes. Ein Charakter, den man mehr dem Kronprinzen Rudolph zuordnen würde. Stimmlich fehlerfrei gewann Arno jedoch Szene für Szene mehr und mehr an Präsenz und Anziehungskraft und steigerte sich schließlich im zweiten Akt zu einem starken und faszinierenden Tod.

Markus Pol als Kaiser Franz Joseph, Christa Wettstein als Erzherzogin Sophie und Thomas Hohler als Kronprinz Rudolph konnten gleichermaßen in ihren Rollen glänzen. Kaiser Franz Joseph hatte es rollengemäß eher schwer, mit seinem Spiel hervorzutreten. Dies gelang Pol jedoch ausgezeichnet.
Besonders gut harmonierten Rudolph und der Tod bei „Die Schatten werden länger“ – in jedem Fall neben „Ich gehör nur mir“ ein Highlight des Musicals. Hohler hatte einen kurzen, aber intensiven Auftritt: Innerlich zerrissen geriet er schlussendlich in die Arme des Todes und fiel nach dem Todesschuss wie ein Stein, völlig leblos aus den Armen des Todes zu Boden. Respekt an Herrn Kohler, der krachende, beeindruckende Aufprall muss recht schmerzhaft gewesen sein.

Neben den restlichen Darstellern blieb Bruno Grassini als Erzähler und Mörder der Kaiserin, Luigi Lucheni, leider etwas blass. Unbestritten ist er der Rolle stimmlich voll gewachsen: Was lediglich fehlte, war der Biss und der Sarkasmus, der mit der Rolle des Lucheni einhergeht. Dieser erzählt nicht nur eine Geschichte, er betrachtet Elisabeth und die sozialen Geschehnisse der Zeit äußerst kritisch, ja verhöhnt die Kaiserin regelrecht. Die Sprüche etwas frecher und Grassini könnte Höchstleistung in der Rolle erreichen.

Elisabeth, Premiere in München - Bild: musical-total.deAuch zu erwähnen sei letztendlich noch der kleine Simon Harner als Rudolph in Kinderjahren. Zuckersüß gewann der Kleine das Publikum vom ersten Augenblick an, als er die Bühne betrat, und bekam heftigen Szenenapplaus nach „Mama, wo bist Du“.

Das Bühnenbild des Musicals erschien für eine kürzere Produktion dem Publikum zur Freude sehr aufwändig. Dies wurde mit einigen Tricks und Kniffen erreicht. Projektionen vermittelten neben 3D-Effekten den Eindruck, als befände man sich mitten auf dem Land, in der Hofburg oder auf See. Besonders gut gelingt auch die Darstellung der Gondel am Riesenrad. Der Zuschauer fuhr regelrecht im Riesenrad mit.
Die Kostüme sind an die vergangenen „Elisabeth“-Produktionen angelehnt und gewohnt pompös und einfallsreich gestaltet.

Elisabeth, Premiere in München - Bild: musical-total.deLevay über die „Elisabeth“-Premiere in München: „ Ich hoffe, dass Elisabeth (Anmerkung d. Redaktion) in ihrer Geburtsstadt mit Freude empfangen wird, denn im Grunde ihres Herzens war Elisabeth immer eine echte Bayerin. Elisabeth kehrt heim.“
Endlich wieder einmal ein Musical, das sich von den vielen Spaß-und-Tanz-Musicals abhebt.
Die Liebesgeschichte um Elisabeth und den Tod ist unterhaltsam und tragisch zu gleich, besticht mit überragender Musik, schönen Texten, guten Darstellern und großen Kostümen und ist unbedingt einen Besuch wert. (jg)
 

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