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Wer kennt sie nicht – Romy Schneider als Sissi, die junge Kaiserin. Schön, friedlich und unterdrückt, so wird die österreichische Kaiserin Elisabeth im Film dargestellt. Michael Kunze und Sylvester Levay zeigen in ihrem Musical „Elisabeth“ ein anderes, realistischeres Bild der Kaiserin. Aus Sicht ihres Mörders Lucheni wird ihre Geschichte erzählt, die selbst den Toten keine Ruhe lässt. Wie aus der jungen, unschuldigen Prinzessin Sisi die verbitterte Elisabeth wird, ist hier nachzulesen. Semmel Concerts zeigt auf der Tour, die bereits in Köln, Frankfurt und München gastierte, eine ähnliche Fassung wie 2008/2009 (Inszenierung: Harry Kupfer).
Im Basler Musical Theater hob sich am 20.01.2012 der Vorhang und zeigte zunächst den klassischen Steg, der hauptsächlich als Auftrittsfläche für den Tod dient, sowie die Schwingen des Todes am oberen Bühnenrand. Schnell wird klar, dass eine Tourproduktion nicht mit so pompösem und vielfältigem Bühnenbild aufwarten kann, wie dies in einer Long-Run-Fassung möglich ist. Doch Videoanimationen wie z.B. Bilder der Hofburg, Sehenswürdigkeiten Wiens und ein Film über Franz Josef zur Verdeutlichung der verstrichenen Zeit, sorgten dafür, dass die Zuschauer stets im Bilde waren. Gekonnt gesetzte Kulissenteile ließen keine Wünsche offen.
Das Ensemble ließ sich von den anfangs eher ruhigen Schweizer Zuschauern nicht aus der Fassung bringen und zeigte von Beginn an, dass die Verantwortlichen auch beim Casting auf hohe Qualität geachtet haben. Dies war vor allem bei „Milch“ deutlich hörbar. Besonders zu betonen sind Ann Christin Elverum als Gräfin Esterhazy und Martin Pasching als Graf Grünne. Beiden gelang es, sowohl im Ensemble als auch bei ihren Soloauftritten zu begeistern. Gespannt konnte das Publikum verfolgen, dass es im deutschsprachigen Raum nicht an neuem Musicaltalent mangelt.
Kurosch Abbasi - frisch gebackener Absolvent der Bayrischen Theaterakademie August Everding (Melchior in „Frühlings Erwachen“) - zeigte, dass er sich nicht hinter anderen, erfahreneren Lucheni-Darstellern verstecken muss. Vielmehr kreierte er durch seine eigene Interpretation einen zynischen Erzähler, der trotz seiner Blasiertheit stets die nötige erzählerische Distanz wahrte. Besonders beeindruckend war seine Darbietung des Liedes „Kitsch“. Hier konnte der aus Gießen stammende Darsteller sein Gesangstalent auch in den hohen Lagen beweisen. Bemerkenswert, wie Abbasi diese Herausforderung meisterte. Als hätte er in seinem Leben nur darauf gewartet, auf großen Bühnen große Rollen zu verkörpern, stand er, ganz der Profi, neben Größen wie Dennis Kozeluh auf der Bühne. Dieser legte als Herzog Max viel Gefühl und Vaterliebe in seine Rolle. Gegensätzlich zu dieser liebenden Vaterfigur steht die kalte Rolle der Erzherzogin Sophie, dem „einzigen Mann am Hofe“. Betty Vermeulen schaffte es, allein durch ihr Auftreten und ihr Aussehen die nötige Arroganz und Strenge darzustellen. Auch in ihrer Stimme war der Unterschied von der strengen Herrscherin zur dennoch liebenden Mutter deutlich wahrnehmbar. So war die Rolle, im Gegensatz zum Film, mehrschichtig angelegt und zeigte auch Gefühl. Ihre Schwester und auch Frau Wolf wurden von Elissa Huber verkörpert. Während sie als Ludovika eher überzogen stolz wirkte, zeigte sie als Frau Wolf ihr volles Talent. Linus Baroffio erntete für die Darstellung des alleingelassenen Kindes Rudolf Applaus, auch wenn nicht jeder Ton saß. Sein großes Alter Ego, Oliver Arno, gab erneut einen gefühlvollen und zutiefst verletzlichen Kronprinzen, der vor allem durch sein Spiel mit dem Tod und sein flehendes „Wenn ich dein Spiegel wär“ begeisterte.
Wie aus einer jungen, unbeschwerten Frau eine so kalte Mutter werden kann, zeigte Annemieke van Dam eindrucksvoll. Ihr Solo „Ich gehör nur mir“ schien das Publikum wachzurütteln. Nach bisher eher verhaltenem Beifall, erntete die junge Holländerin großen Applaus. Van Dam legte die Rolle der Elisabeth sehr gefühlvoll aber dennoch stark und unabhängig an. Sowohl das 15-jährige Mädchen als auch die alternde, selbstsüchtige und vor Zwängen flüchtende Kaiserin stellte sie glaubwürdig dar. Die Chemie zwischen Annemieke van Dam und Mathias Edenborn (Franz Josef) blieb trotz des Wandels der Charaktere stets spürbar. Edenborn brachte in dieser durch Status geprägten Rolle trotz allem viel Gefühl in seine Stimme und Darstellung. Dies wurde besonders bei „Boote in der Nacht“ deutlich. Spätestens hier war klar, dass die Kaiserin dem Druck des Hofzeremoniells nicht gewachsen war und daran zerbrach. Durch das Spiel van Dams konnte das Publikum mit der freiheitsliebenden Kaiserin fühlen. Diese Veränderung zeigte die Sängerin, die bereits als Constance in „Die 3 Musketiere“ zu sehen war, auch stimmlich. Sowohl die leisen gefühlvollen Töne sowie auch die kraftvollen meisterte sie in allen Tonlagen bravourös.
Die Beziehung zu ihrem Wegbegleiter, dem Tod, dargestellt von Mark Seibert, war geprägt durch Leidenschaft und Spannung. Kaum ein anderer Tod spielte so manipulativ mit seiner großen Liebe. Im Vergleich zu anderen Darstellungen der Rolle gab Seibert einen verführerischen, aber weniger majestätischen Tod mit einer rockigeren und jüngeren Grundhaltung. So schaffte es der Frankfurter, die Rolle neu anzulegen. Trotz oder gerade wegen dieser Veränderung schaffte er beim Publikum Gänsehautmomente. Seiner Anziehungskraft sowie seiner Stärke verfiel Elisabeth verständlicherweise. Ebenso gegensätzlich wie sein Spiel zwischen Verführung und Abstoßung war sein Gesang. In allen Tonlagen variierte der Darsteller, der schon als Fiyero („Wicked“), Ranger („Der Schuh des Manitu“) und Galileo („We will rock you“) seine Vielseitigkeit unter Beweis stellen konnte, zwischen lauten und leisen sowie sanften und wilden Tönen. Besonderen Applaus erhielt er für sein Spiel mit dem jungen Rudolf sowie das Duett „Wenn ich tanzen will“. Die Inszenierung ist auf jeden Fall einen Besuch wert und zeigt, dass die wahre Geschichte der Kaiserin Elisabeth mindestens so unterhaltsam ist wie der seit Jahren populäre Film. (sh)
Termin(e): 19.01.2012 - 05.02.2012 Basel Musical Theater 09.02.2012 - 04.03.2012 Essen Colloseum Theater 08.03.2012 - 25.03.2012 Bremen Musical Theater 29.03.2012 - 01.04.2012 Chemnitz Stadthalle 05.04.2012 - 08.04.2012 Erfurt Messe 12.04.2012 - 15.04.2012 Leipzig Arena 19.04.2012 - 22.04.2012 Dresden Kulturpalast
Spielstätte: Musical Theater Basel Feldbergstrasse 151  4057 Basel
Kartenvorverkauf: http://www.elisabeth-das-musical.com http://www.semmel.de |