Elisabeth – Premiere mit neuem Tod in München
Freitag, den 23. Dezember 2011 um 01:44 Uhr

Annemieke van Dam, Mark Seibert, Erzherzogin Valerie Habsburg-Lothringen - Bild: musical-total.deUnd wieder kehrte die Kaiserin Elisabeth zurück auf Münchens Bühne und feierte am 22. Dezember 2011 im gleichnamigen Musical Premiere im Deutschen Theater. Im Rahmen der „Elisabeth“-Tournee war das Musical bereits seit Mitte Oktober durch Deutschland unterwegs, macht nun bis Mitte Januar Stopp in München und zieht anschließend weiter nach Essen, Leipzig und in andere Städte.

Das Musical drehte sich rund um das Leben und Sterben der österreichischen Monarchin und gab einen Einblick in die Gefühlswelt einer starken Frau - weitab von der Rolle, die ihr in den an Weihnachten so beliebten kitschigen Sissi-Filmen fälschlicherweise zugedacht wurde.

Der ausführliche Inhalt des Stückes ist für Interessierte unter der Rubrik Musicals „Elisabeth“ nachzulesen.

Sylvester Levay und Annemieke van Dam - Bild: musical-total.de„Elisabeths“ Musik von Sylvester Levay (der der Premiere beiwohnte) war auch knapp 20 Jahre nach der Uraufführung ein wahrer Ohrenschmaus und stellte die Lach- und Spaßmusicals, die deutsche Bühnen zur Zeit überschwemmen, immer noch weit in den Schatten. Volle Arrangements mit Ohrwurmcharakter, klangvolle Texte von Michael Kunze und eine herausragende Cast machten den Premierenabend auch diesmal wieder zu einem Erlebnis.

Das einzige kleine Manko des Abends war wohl die Akustik, so dass es für den Musicalneuling gerade zu Beginn des Stückes aufgrund der Lautstärke des Orchesters schwer war, Texte zu verstehen. Im Laufe des Abends besserte sich jedoch die Abstimmung von Sänger- und Orchester-Lautstärke.

Schlussapplaus - Bild: musical-total.deDie Tourneeproduktion musste außerdem mit abgespecktem Bühnenbild im Vergleich zu den Longruns, wie z.B. in Wien oder Essen, leben. Doch dies tat dem Theatervergnügen längst keinen Abbruch. Im Gegenteil konnten durch lebendige Projektionen von Landschaften, Meer und Architektur alle Szenen ohne Verlust von Atmosphäre dargestellt werden. Man fühlte sich mitten in die habsburgische Welt, die Paläste, Kaffeehäuser und Etablissements von Wien hineinversetzt.

Annemieke van Dam konnte als Elisabeth schon viel Erfahrung sammeln und auch das Theater in München war ihr aufgrund der letzten Tournee nicht unbekannt. So spielte sie jede Szene voll aus, sang mit glockenklarer, starker Stimme in allen TonlagElisabeth: Annemieke van Dam - Bild: musical-total.deen sicher. Auch schauspielerisch konnte van Dam gänzlich überzeugen. Ob quirlige heranwachsende Prinzessin oder alternde, ja nahezu depressive Kaiserin, man nahm ihr alle Rollen ab und fühlte mit der traurigen Frau, die doch eigentlich nur „frei wie ein Zigeuner“ sein wollte.

An ihrer Seite und neu im royalen Team der 2011/2012 Tournee spielte Mathias Edenborn, Kaiser Franz Joseph. Obwohl diese Rolle wohl eher undankbar ist – ein Kaiser hat sich schließlich stets auf seinen Stand zu besinnen – konnte sich Edenborn („Wicked“, „Tanz der Vampire“) bestens durch Spiel und Gesang neben Elisabeth behaupten und harmonierte bestens mit der Sängerin.

Schlussapplaus - Bild: musical-total.deEinen nicht ganz leichten Stand hatte wohl immer noch die Rolle des Todes – auch wenn sich in all den Jahren schon viele Darsteller erfolgreich daran versuchten. Zu lange prägte ein androgyner Tod die Rolle, als dass nicht doch immer wieder Vergleiche gezogen würden. Oliver Arno (Rudolf) beispielsweise stand aufgrund seines jugendlichen Äußeren der junge Kronprinz heute doch bei weitem besser als der Tod in der letzten Tour. Zwar konnte er damals durchaus in der Rolle des Todes bestehen, doch erst wer den Vergleich zu Rudolf heranziehen kann, wird sehen, wie gut diese Rolle dem Künstler auf den Leib geschnitten ist. Stimmlich stark sang Arno ein wunderschönes „Wenn ich Dein Spiegel“ wär. All die Verzweiflung sowie Ausweg- und Hilflosigkeit wurden auch im Duett mit dem Tod („Die Schatten werden länger“) optimal herausgezeichnet.

Tod: Mark Seibert - Bild: musical-total.deSeit Anfang der Tournee in 2011 trat also nun Mark Seibert („Wicked“, „We will rock you“) in die Fußstapfen des Todes. Zwar hatte er mit van Dam eine extrem starke Duett-Partnerin an seiner Seite, konnte jedoch nicht zuletzt durch sein Spiel überzeugen. Es knisterte zwischen Elisabeth und dem Tod und man konnte bestens nachvollziehen, warum sich Elisabeth den Tod so sehr herbei wünschte. Von androgyn war keine Spur mehr zu sehen, vielmehr ließ sich wohl die Rolle des „Biests“ als Vergleich heranziehen. Animalisch, gefährlich und doch anziehend.

Ein besonderes Highlight der Tour war außerdem der frische Absolvent der Bayerischen Theaterakademie August Everding, Kurosch Abbasi, als Luigi Lucheni. Süffisant und ironisch mimte der begabte Darsteller den Mörder der Kaiserin, der durch die Geschichte des Musicals als Erzähler führte. Man könnte meinen, Abbasi hätte nie anderes getan, als  Hauptrollen dieser Tragweite zu bekleiden. Selbstbewusst, mit perfektem Spiel und sicher in allen Tonlagen konnte er dem Vergleich mit Darstellern, wie Serkan Kaya (u.a. „Elisabeth“ Wien) und Carsten Lepper (u.a. „Elisabeth“ Essen), voll standhalten.

Alles in allem ist die Cast der Tourneeproduktion herausragend. Auch Dennis Kozeluh als Herzog Max in Bayern, Betty Vermeulen als Erzherzogin Sophie und Melissa Huber als Herzogin Ludovika/ Frau Wolf überzeugten stimmlich wie schauspielerisch.

Der kleine Leon-Paul Koschmann als Rudolf im Kindesalter sei dabei nicht zu vergessen. Denn sieht man Kindern gerne einmal einen falschen Ton nach, so war sein Gesang fehlerfrei. Sylvester Levay und Mark Seibert - Bild: musical-total.deGlockenklar traf der Junge jeden Ton und harmonierte wunderbar im Spiel zusammen mit dem Tod.

Diese „Elisabeth“- Inszenierung mit hochkarätiger Cast ist also in jedem Falle sehenswert. Noch bis zum 15. Januar in München, anschließend in weiteren Städten.

Tipp: Wer mit „Elisabeth“ ins Neue Jahr feiern möchte, kann dies ebenfalls im Deutschen Theater in München mit Buffet und Prosecco. (jg)

 

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