Die Habsburgischen (2007) - Original Wien Cast
Donnerstag, 07. Februar 2008
700 Jahre Mythos, 700 Jahre Politik, 700 Jahre Intrigen, 700 Jahre Irrsinn - 700 Jahre ganz normaler Familienalltag bei der Familie von Habsburg. Und was passiert wenn diese 700 Jahre sich bei einem großen Familientreffen einfinden zeigen Michaela Ronzoni (Buch, Text), die schon für die Übersetzung von „Romeo und Julia“ verantwortlich war, und Christian Kolonovits (Musik), der bereits zu „die Weberschen“ die Musik beisteuerte, in ihrem neuen Musical „Die Habsburgischen“.

Einen einheitlichen Musikstil sucht man vergeblich, die Mischung aus Walzer und Marsch, über Rock und Schlager bis hin zu Jazz des renommierten Komponisten unterstreicht die Satire passend und eingängig. Kolonovits hat es geschafft aus verschiedenen Musikstilen ein in sich stimmiges Gesamtwerk zu erschaffen. Die Sängerinnen und Sänger sind alle in mehrere Rollen zu sehen, einzig Maria Happel als „Maria Theresia“ und Sigrid Hauser als „die Putzfrau“ bleiben in ihren Rollen. Delia Meyer, Zuzana Maurerey, Sasha Oskar Weis, Roman Frankl, Alexander Waechter, Raphael Johannes Kübler und Boris Eder überzeugen ebenso wie die oben genannten allesamt stimmlich. Sehr viel entscheidender ist in diesem Fall jedoch, dass sie auch den Humor und Charme des Stückes übernehmen können und diese Aufgabe haben alle wunderbar gelöst. Auch das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien zeigt einmal mehr seine Vielfalt indem es jedem Stil des Musicals gerecht wird.

Die Produktion des RONACHERmobile rollt die Familiengeschichte auf sarkastische, beinahe schon zynische Weise auf und spielt mit sämtlichen Klischees. Man träumt von den vergangenen Zeiten („Wie Böhmen noch bei Öst’reich war“)und die Putzfrau der Kapuzinergruft erzählt dem Zuhörer so manche Anekdote des Kaiserhauses, nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und berichtet von dem „Klassenkampf“ und der „Frauenpower“ des Hauses. Aber auch der Adel steht der Putzfrau in nichts nach, so streiten sich die Männer, wer denn der wichtigste Habsburger sei („Der wichtigste Habsburger“), während die Frauen feststellen, dass die Männer nicht merken, dass eigentlich die Frauen im Hintergrund die Fäden in der Hand halten („Ja, die Männer).

Deutlich erkennbar ist, dass Michaela Ronzoni für ihr Buch sehr gut recherchiert hat und sich eingehend mit dem Adelsgeschlecht beschäftigt hat. Allerdings kann genau das für einen weniger informierten Zuhörer zum Problem werden, da einige Spitzen und satirische Anspielung nur dann richtig verstanden werden können, wenn man das Leben des jeweiligen Habsburgers oder seine Eigenarten kennt.

Wer den Wiener Humor und den Wiener Schmäh mag und diesen vor allem auch versteht, dazu noch Wissen über das Geschlecht von Habsburg hat und mit Satire umgehen kann wird mit der fast 53 minütigen Aufnahme viel Spaß haben und sich das ein oder andere Lachen nicht verkneifen können. Wer dann noch Vergnügen an schrägen Ideen und bisweilen schon sehr zynischen Texten hat, sollte sich „den Metzelsong“, „Ich bin mit Leib und Seele Katholik“ und „Gebet an die Spermien“, in dem „Karl VI.“ um einen Sohn bittet, genauer anhören.
Erhältlich ist die bissige Satire rund um das Hause Habsburg, mit all seinen prominenten Mitgliedern, wie z.B. Maria Theresia, Sissi, Karl V., usw. unter http://www.soundofmusic-shop.de. (sh)