| Bella Notte (2006) - Marc Gremm, Janet Chvatal, Bruno Grassini |
| Montag, den 20. November 2006 um 05:21 Uhr |
Was macht einen besonderen Ausklang eines langen Tages aus, etwa ein gutes Essen am Abend bei Kerzenschein, ein guter Wein, ein paar schöne Stunden mit der/dem Liebsten? Alle diese schönen Möglichkeiten nennt der Italiener „Bella Notte“ („schöne Nacht“) und unter diesem Motto haben sich drei Freunde zu einem besonderen Projekt zusammen gefunden. Die Rede ist hier von Janet Marie Chvatal (zurzeit zu sehen in der Rolle der Elisabeth in dem Musical „Ludwig²“ in Füssen), Marc Gremm (ebenfalls zurzeit bei „Ludwig²“ in der Rolle des Grafen von Dürckheim zu sehen) und Bruno Grassini (ehemaliger Schattenmann in „Ludwig²“, zuletzt aber als Tod in der Stuttgarter Inszenierung von „Elisabeth“). Was erwartet man von einer CD, die auf den ersten Blick einen stimmungsvollen Eindruck abgibt, da das Cover in einem gediegenen Bordeauxrot auffällt, einem Rot, das sowohl die beruhigende Wirkung nach einem ereignisreichen Tag ausstrahlt, vielleicht das Glas Rotwein, das man beim Hören dieser CD genießen möchte oder auch die Liebe, die man dem lieben Menschen entgegenbringt, mit dem man diese „Bella Notte“ verbringen möchte? Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.Fast alle der ausgewählten Songs stammen aus dem ihnen gut bekannten Musical-Genre, bis auf einen Titel, der aus dem Bereich der Popmusik stammt. Zunächst aber wird man von Chvatal, Grassini und Gremm mit dem Titelsong „Bella Notte“ auf die CD eingestimmt und man hört hier gleich worum es hier geht: eine wunderschöne Nacht auf italienische Art mit dem wohl typischen Dreivierteltakt und drei wunderbar harmonischen Stimmen, die beim Hörer nach dem Schließen der Augen ein Bild von Venedig am Abend auslösen könnten. Doch bald schon wird man wieder zurück gebracht in die Welt des Musicals: Mit dem Titel „Die unstillbare Gier“ aus dem Musical „Tanz der Vampire“ entführt Marc Gremm den Hörer in die fantastische Welt eines Wesens der Nacht. Für den Kenner des Musicals klingt die Stimme etwas ungewohnt, da man sie sich zunächst nicht in der Rolle des Grafen von Krolock vorstellen kann, jedoch passen Stimme und Arrangement derart gut zusammen, daß man den Vampirgrafen schnell vergisst und sich auf Gremms Hingabe zu diesem Titel freuen kann. Mit den folgenden Titeln „How Could I Ever Know“ und „Come To My Garden“, interpretiert von Chvatal und Grassini spielen sich dann vor den Augen des Hörers Bilder ab, die doch sehr an die Balladen der klassischen amerikanischen Musicals wie die „West Side Story“ erinnern. Von den klassischen Werken zur Gegenwart, wagt sich Grassini an den Titel „Dies ist die Stunde“ aus dem Musical „Jekyll & Hyde“ heran. Doch nicht in Deutsch oder Englisch, er interpretiert diesen Song mit seiner unverwechselbaren Stimme auf Italienisch, wo er „Momento“ heißt und mit Sicherheit einer der neuen interessanten Versionen wird. Von Italien nach Wien, bekommt man den ersten „Hoppla“-Effekt beim Anfang von „Wenn ich tanzen will“ aus „Elisabeth“. Hat sich hier mit Chvatal und Gremm ein neues Musical-Traumpaar gefunden? Hiernach folgen dann noch verschiedene englischsprachige Titel wie „The Impossible Dream“ (Gremm), „Somewhere“ (Chvatal), „She Was Beautiful“ (Gremm, Grassini) und „Share A Dream“ (Chvatal, Gremm), bis dann die ersten Takte eines bekannten Popsongs anklingen: „My Heart Will Go On“, im Original komponiert von James Horner und oskar-prämierter Titelsong des Kinofilms „Titanic“, wird hier neu von Chvatal und Grassini in italienischer Sprache dargeboten. Zunächst denkt man sich, daß dieses Lied wohl allmählich bekannt sein sollte, doch man irrt hier schnell. Als Duett mit zwei Stimmen, mit einer etwas zurückhaltenden Instrumentierung und in italienischer Sprache wird dieser „Hit“ hier umgewandelt in eine anspruchsvolle Ballade, die zum Träumen einlädt und an keiner Stelle kitschig wirkt wie vielleicht die Version von Céline Dion; mit großer Sicherheit DIE Überraschung auf dieser CD, die zeigt, daß man mit ein wenig Mut die Massenware Popsong auf ein hohes Niveau aufwerten kann. Auch die beste CD geht einmal zu ende, und mit dem letzten Song „You’ll Never Walk Alone“, hier wieder von allen drei Künstlern als finales Stück vorgetragen, wirkt in jedem Fall ein wenig hymnisch und lässt den schönen Abend, die schöne Nacht, kurz die „Bella Notte“ ausklingen. Fazit: von der Stimmung her eine CD, die das Thema „Bella Notte“ in weiten Zügen durch seine Balladen, besonders die in englischer Sprache, trifft, aber auch für den Hörer zahlreiche große Überraschungen bereithält. Die CD „Bella Notte“ ist über die Website http://www.marcgremm.de zu bestellen, kann aber auch im Shop des Festspielhauses Neuschwanstein käuflich erworben werden. (ffk) |