Der blaue Engel - die fesche Lola begeistert Wien
Donnerstag, den 31. Dezember 2009 um 15:12 Uhr
Der blaue Engel - Bild: Sepp GallauerWenn man „Der blaue Engel“ hört, kommt den meisten Menschen der Film mit Marlene Dietrich in den Sinn. Seit September 2009 spielt nun das Theater in der Josefstadt dieses Stück.

Ein typischer Professor am Gymnasium, der für die Bildung seiner Schüler lebt, findet heraus, dass seine Schüler, Lohmann, der auf Grund seiner frechen und arroganten Art ohnehin in der Gunst der Lehrers weit unten anzusiedeln ist, und von Erztum, ein schmucker Grafensohn, sich allabendlich in einem Varieté herumtreiben und bei der Chanteuse Lola Fröhlich in der Garderobe sind.
Professor Rath kann dies nicht hinnehmen, da der Blaue Engel kein Ort für minderjährige Schüler ist und stattet Lola einen Besuch ab. Dabei stellt er fest, dass nicht alles so sein muss, wie es scheint. Es kommt wie es kommen muss, der Professor, der von seinen Schülern Unrat genannt wird, verliebt sich in Lola Fröhlich. Sie heiraten und der Professor muss seinen Beruf aufgeben, da es für keine Schule tragbar ist, ihn, der eine Dame der erotischen Welt geehelicht hat, anzustellen. Die Beiden verlassen die Heimat des Professors und leben in verschiedenen Hotels. Zu Beginn der Ehe kann Lola gut vom angesparten Geld des Professors leben, doch als dieses ausgegeben ist, muss sie wieder auf die Bühne um für sich und ihren Mann zu sorgen. Doch Herr und Frau Kiepert, die Chefs der Company in der Lola arbeitet, wollen nun auch den ehemaligen Professor auf der Bühne sehen – als dummer August. Als die Company dann zurück zum Blauen Engel, in die Heimat des Professors zieht, ist die Katastrophe vorprogrammiert. Herr Kiepert stellt den ehemaligen, nun stark dem Alkohol zugetanen Professor vor seinen alten Schülern und Kollegen bloß und macht ihn zum Gespött der ganzen Stadt. Daraufhin rastet er aus und bringt beinahe seine Frau um. Er verlässt den Blauen Engel und begibt sich noch einmal in seine alte Schule. Hier stirbt er alleine in einem Klassenzimmer.

Der blaue Engel - Bild: Sepp GallauerAm 29.Dezember 2009 hob sich beinahe pünktlich um 19.30 Uhr der Vorhang im Theater in der Josefstadt. Und schon zu Beginn stand ein, den Musicalfans nicht ganz unbekannter auf der Bühne. Rasmus Borkowski („Romeo und Julia“, „3 Musketiere“, „Hairspray“) schlüpft nun seit September in die Rolle des Schülers Lohmann. Er zeigt hier eine völlig neue, aber keinesfalls weniger talentierte Seite. Die Arroganz und die Überheblichkeit Lohmanns bringt er gekonnt zum Vorschein, aber auch die traurigere Seite der Rolle, etwa wenn der Professor ihn und von Erztum dem Blauen Engel verweist, meistert er.

Der Professor selbst ist der gefeierte Star des Abends. Erwin Steinhauer zeigt alle Facetten seines schauspielerischen Talents. Zu Beginn ein klassischer Lehrer, dessen Bildung nicht am Schultor endet, entwickelt sich sein Leben anders als geplant. Er gibt seinen Beruf für Lola auf. Zunächst ist er, auf Grund der Liebe zu Lola, noch glücklich in seinem neuen Leben, doch als sie das ganze Geld ausgegeben hat, wird der Professor unruhiger. Steinhauer verleiht dem Professor Tiefe und schafft es Mitleid zu erwecken. Vor allem dann, wenn er es nicht erträgt, wie andere Männer seine Frau begaffen und er selbst im Blauen Engel zum August wird. Die vollkommene Niederlage erleidet er dann, als er sieht, wie Lola sich seinem alten Schüler, Lohmann, der inzwischen zu viel Geld gekommen ist, an den Hals wirft. Das Publikum war von Erwin Steinhauer, seinem Schauspiel aber auch seinem komischen Talent begeistert.

Der blaue Engel - Bild: Sepp GallauerIn die Rolle der Lola schlüpft Katharina Straßer. Lola entwickelt sich während dem Stück mehrmals und jede dieser Entwicklungen macht Straßer sichtbar. Von der Chanteuse wird Lola zur Frau Professor Rath, um dann wieder zurück auf die Bühne zu gehen. Beim zweiten Mal ist sie allerdings weit weniger begeistert. Auffallend passend ist die Stimme Straßers. Die Lieder, wie z.B. „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, „ich bin die fesche Lola“ oder auch „Nimm dich in Acht vor blonden Frau‘n“ wirken durch ihre ganz eigene Klangfarbe beinahe wie aus dem Film entsprungen. Die singende Schauspielerin zeigt eine große Bandbreite von Facetten, die der Rolle Tiefgang und Charakter verleihen: von der selbstbewussten Tänzerin, zur erotischen grande Dame, über die glücklich verliebte Frau, der dem Alkohol verfallenen frustrierten Ehefrau bis hin zur Angst vor dem eigenen Ehemann.

Peter Scholz zeigte als Herr Kiepert, wie hart das Showbusiness sein kann. Er treibt aus Geldgier die Menschen und am Ende auch den Professor auf die Bühne des Blauen Engels und kassiert dabei selbst am meisten Geld. Allerdings schafft es Scholz die Rolle trotz allem nicht nur negativ darzustellen.

Insgesamt überzeugte das Ensemble des Theaters in der Josefstadt uneingeschränkt und das Publikum war restlos begeistert. Auch das Bühnenbild von Rolf Langenfass, bestehend aus eine Drehbühne, auf der sich die verschiedenen Räume, wie z.B. die Schultoilette, der blaue Engel, die Garderobe von Lola, Lolas Schlafzimmer, das Hotel und die Außenfassade des Blauen Engels, befinden, passt sich perfekt in das Stück ein. Der Zuschauer weiß sofort, wo er sich gerade befindet. Vor allem wird den Zuschauern klar, dass viele Sachen gleichzeitig passieren, indem die Bühne sich dreht, ein Gespräch oder ein Lied aber weiter geführt wird. Kostüme (Rolf Langenfass) und Bühnenbild tragen dazu bei, dass das Publikum in eine andere Zeit versetzt wird und sich voll auf das Stück einlassen kann. Zudem könnte sich die Geschichte rund um den Blauen Engel überall auf dieser Welt zutragen und genau das spiegelt sich auch im Bühnenbild wieder.

Ein Theaterstück das durch seine Komik begeistert und trotzdem keine Komödie ist. Auch wenn am Ende die absolute Katastrophe eintritt und der Professor stirbt, ist das Publikum gut unterhalten und geht, auch wenn das Stück kein Musical ist, doch summend und grinsend aus dem Theatersaal. Wer sich noch vom Ensemble des Theaters in der Josefstadt unterhalten lassen will, kann unter http://www.josefstadt.org die Spieltermine sowie die Ticketpreise erfahren. (sh)