Vom Geist der Weihnacht - verzaubert Premierenpublikum in Köln
Montag, den 29. November 2010 um 21:20 Uhr
Ron Holzschuh, Sandy mölling, Chris Murray - Bild: Thomas BrillWar es ein vorweihnachtliches Wunder oder hatten gar übersinnliche Wesen ihre Finger im Spiel?! Pünktlich zur Premiere des Musicals „Vom Geist der Weihnacht“ am vergangenen Donnerstag fielen die ersten Flocken in der ansonsten eher schneefreien Domstadt Köln und versetzen das Premierenpublikum in die passende Vorweihnachtsstimmung. Dabei war dies gar nicht mehr nötig, denn bereits beim Betreten des festlich geschmückten Musical Domes wurden die Besucher auf das besinnliche Familien-Musical eingestimmt. Dieses wurde seit seiner Weltpremiere 2001 in Oberhausen in den letzten Jahren mit großem Erfolg in Städten, wie Berlin, München, Frankfurt, Duisburg und Düsseldorf aufgeführt, und kehrt nach seinem Gastspiel 2002 erneut in den Musical Dome nach Köln zurück.

„Vom Geist der Weihnacht“ ist ein Stück für die ganze Familie und erzählt die Geschichte des hartherzigen Pfandleihers Ebenezer Scrooge, dem am Weihnachtsabend sein verstorbener Freund Marley erscheint. Dieser ist bereits seit 20 Jahren tot, wird jedoch auf der Erde festgehalten, da er zu Lebzeiten ein schlechter Mensch war. Nur wenn er seine einstigen Missetaten wieder gut macht, kann er Erlösung finden. Und so versucht Marley nun, seinen alten Freund Scrooge dazu zu bewegen, ein besserer Mensch zu werden, damit diesem nicht ein ähnliches Schicksal droht. Doch Scrooge erweist sich als ein harter Brocken. Da erscheint unerwartet Hilfe in Form eines Engels, der mit den beiden Freunden eine Reise durch die Zeit antritt. Zunächst bringt der Engel Scrooge in die Vergangenheit, wo er nochmals seiner großen Liebe Belle begegnet und so langsam bröckelt die hartherzige Fassade des Pfandleihers. Dann führt der Engel Scrooge und Marley in die Gegenwart und Zukunft. Eine Zukunft, die allein in Scrooge`s Händen liegt. Nach dieser emotionalen Reise wächst in Scrooge die Erkenntnis „Wenn ich Liebe gebe, werde ich reich.“ Und so kann Scrooge erstmals in seinem Leben mit Freude Weihnachten feiern.

Basierend auf der 1843 veröffentlichten Novelle „A Christmas Carol“ von Charles Dickens schrieben Dirk Michael Steffan und Michael Tasche Musik und Libretto für das Weihnachtsmusical „Vom Geist der Weihnacht“, das seit seiner Uraufführung 2001 bereits über 400.000 Zuschauer in die Theater lockte. In der Kölner Inszenierung führt wie bereits 2007 und 2009 Iris Limbarth Regie. Für die musikalische Leitung zeichnet sich – wie in den Vorjahren – Wolfgang Wilger verantwortlich. Doch auch mit der Besetzung der Hauptrollen ist den Verantwortlichen ein wahrer Glücksgriff gelungen:
Nachdem er bereits 2006 in Berlin als „Ebenezer Scrooge“ zu sehen war, schlüpft Chris Murray nun in Köln erneut in die Rolle des Geizhalses und kann das Publikum mit seiner facettenreichen Darstellung des Charakters begeistern. Zunächst beeindruckt Murray als kaltherziger und böser Pfandleiher, um am Ende des Stückes die Wandlung zum Gutmenschen perfekt umzusetzen. Schade nur, dass Murray bei seinen Songs viel zu selten seine wahre Stimmgewalt zeigen kann. Als Highlight ist hier aber auf jeden Fall sein Solo „Was habe ich getan“ zu benennen.
Als Geist „Marley“ ist Musicaldarsteller und Serienschauspieler Ron Holzschuh zu sehen. Dass Holzschuh dabei erstmalig die Rolle von Scrooge`s verstorbenen Freund übernimmt, ist ihm keine Sekunde lang anzumerken. Im Gegenteil… Holzschuh verkörpert seinen Charakter derart überzeugend und mit so viel Spielwitz, dass er seinen Mitstreitern beinahe die Show stiehlt. Besonders die Interaktionen mit dem Publikum scheinen ihm dabei großen Spaß zu machen. Gegen zwei so dominante Männer an ihrer Seite hat es „No Angels“-Sängerin Sandy Mölling in ihrer ersten Musicalrolle als „Weihnachtsengel“ eher schwer zu bestehen. Dabei bringt sie durchaus beste Voraussetzungen mit: so entspricht sie rein optisch sicher dem Idealbild eines Engels und auch gesanglich weiß Mölling mit ihrer klaren, kräftigen Stimme zu überzeugen. Allein ihr Schauspiel ist sicher noch ausbaufähig, aber dies kann man aufgrund der vorgenannten Aspekte sicherlich verzeihen.
Auch die weiteren Nebenrollen sind durchweg hervorragend besetzt worden: hierbei sind vor allem Maciej Salamon als „Mr. Chratchit“, „Oliver Nöldner als „Junger Scrooge“ (tolle Stimme) und insbesondere Anne Welte, die als Mrs. Fezziwig mit ihrem Rap das Publikum von den Sitzen fegte, hervorzuheben. Und auch das übrige Ensemble singt und tanzt (schöne Choreografien von Natalie Holtom) sich mit viel Freude durch die Show.

Daher bleibt am Ende festzuhalten, dass das Stück „Vom Geist der Weihnacht“ mit seiner schönen Geschichte und den stimmungsvollen Liedern wohl nicht mehr aus der Vorweihnachtszeit wegzudenken ist. Und so kann man sicher von einem rundherum gelungenen Premierenabend sprechen, der in wunderbarer Weise auf die bevorstehende Weihnachtszeit einstimmte und vielleicht sogar den ein oder anderen Zuschauer mit seiner Botschaft vom wahren Geist der Weihnacht zum Nachdenken anregte. (ds)