| Dracula - verflucht seist du, Blutgier auf ewig in Ettlingen |
| Dienstag, den 29. Juni 2010 um 19:46 Uhr |
Bram Stokers „Dracula“ ist allseits bekannt und wurde mehr als einmal verfilmt und auf die Bühne gebracht. Karl Svoboda (Musik), Zdenek Borovec und Richard Hes (Libretto) zeichneten jedoch einen anderen Dracula, der nur entfernt an Bram Stokers Vampir erinnert.Das romantische Musical mit den deutschen Texten begann am 26. Juni 2010 pünktlich um 20:30 Uhr im Ettlinger Schlosshof, entführte die Zuschauer in das 15. Jahrhundert und erzählte, wie Fürst Dracul zu Dracula wurde: Der blutrünstige Transsilvanier dringt in ein Kloster ein und tötet den Priester. Doch vor dessen Tod verflucht dieser Dracul: Ewig soll er leben und die Gier nach Blut soll ihn strafen. Nachdem seine Frau und sein Kind bei der Geburt sterben, versucht Dracula sich selbst das Leben zu nehmen und muss erkennen, dass der Fluch seine Wirkung nicht verfehlt hat. Glücklich über seine Unverwundbarkeit tötet Dracula weiter. Auch die Frauen fühlen sich zu ihm hingezogen. So wächst die Vampirschaft stets weiter. 500 Jahre später erreicht Lorraine, eine entfernte Verwandte aus England, das Schloss des Grafen. Trotz der Warnungen ihres Bruders Steven verliebt sie sich in den Grafen und auch er erliegt ihrer Schönheit. Als Steven diese Verbindung verhindern will, wird er getötet. Lorraine wird zur Frau des Grafen und damit auch zum Vampir. Im Jahr 2010 ist Dracula sichtlich geschwächt und muss von einem Arzt überwacht werden. Dieser Arzt war im 15. Jahrhundert sein Hofnarr und im 19. Jahrhundert der Hofdiener des Grafen. Als großer Casino-Boss meint der Graf in einem jungen Mädchen seine verstorbene Frau Adriana zu erkennen und macht ihr den Hof. Als er jedoch erkennt, dass Sandra nicht Adriana ist, verzweifelt Dracula. Er stellt sich seiner Vergangenheit und seinem persönlichen Gericht. So löst sich der Fluch und Dracula darf endlich sterben. Vor der Kulisse des Ettlinger Schlosses wirkte „Dracula“, als ob es nirgendwo anders hingehörte. Einzig das Tageslicht im ersten Akt erschwerte es dem Zuschauer etwas, sich in die Welt der Vampire einzufinden. Die Kulissen, zwei große Kirchenfenster, verschiedene Fallbühnen und versteckte Hilfsmittel wurden durch die Beleuchtung in Szene gesetzt und durch eine Leinwand am Schlossbalkon in die jeweilige Epoche eingegliedert. Auch die Kostüme von Kiki de Kock halfen dem Zuschauer, sich in die Epochen hinein zu versetzen. Sowohl die Musik als auch die Choreografie (André Sultan-Sade) unterstützen diesen Eindruck gekonnt. Immer wenn einige Motive wieder auftauchten, um Gefühle oder wichtige Sequenzen in Erinnerung zu rufen, passte sich die Musik den Epochen an: Eher mythisch im 15 Jahrhundert, klassische Musik des 19. Jahrhunderts und nahezu Rap und Hip Hop im 21. Jahrhundert.Die Darsteller taten das Übrige, um dem Zuschauer einen unterhaltsamen Abend zu bieten. Hans Neblung begeisterte als Dracula vor allem durch seine ausdruckstarke und sehr wandelbare Stimme. Man nahm ihm den liebenden, verzweifelten Witwer ebenso ab, wie den grausamen, herrschsüchtigen Plünderer. Durch seine Mimik und Gestik schaffte Neblung es, bis in die letzten Reihen klar zu machen, was er fühlte und warum. Seine Wandelbarkeit zeigte er vor allem in seinen verschiedenen Verhaltensweisen in den jeweiligen Jahrhunderten. Egal ob Plünderer, Schlossherr oder Casino-Boss, Neblung füllte seine Rolle aus. An seiner Seite begeisterten vor allem die beiden Frauen Draculas. Als Adriana und Sandra stand Nina Janke auf der Bühne. Auch sie schaffte es, sich in zwei Epochen zurechtzufinden und das Publikum vor allem durch ihre Duette mit Dracula zu berühren. Die zwei sehr verschiedenen Rollen füllte sie vollkommen aus und gab ihnen jeweils einen eigenen Charakter, ohne dabei die Gemeinsamkeiten zu vernachlässigen. Vor allem als Sandra spielte sie das Hin- und Hergerissen-sein zwischen dem geldgesegneten Leben an Draculas Seite und dem seltsamen Verhalten des Grafen. Dies wurde in ihrer Darstellung sehr deutlich. Vanessa Wilcek zeigte hervorragend die Entwicklung der Lorraine. Vom scheuen, verliebten Mädchen wurde sie zur selbstbewussten Frau, die nicht nur die Nummer zwei in Draculas Leben sein wollte und dies auch deutlich machte. Diese Entwicklung wurde sowohl durch Ausstrahlung, als auch durch die Stimme gezeigt. Als Scampino, der Narr, Hofdiener und Arzt des Grafen war, zeigte auch Thomas Christ seine Vielfältigkeit. Egal ob komisch oder ernst kommentierte er das Geschehene und opferte sich am Ende für seinen Grafen. Dabei wirkte Christ stets glaubhaft und überzeugte auch stimmlich voll.Das gesamte Ensemble schaffte es, die Zuschauer zu begeistern, egal ob durch Tanz, wie z.B. die Blutengel, oder durch Gesang. Ebenso trug das Orchester dazu bei, dass das Publikum den einen oder anderen Gänsehautschauer erleben konnte. Schlussendlich ist zu sagen, dass „Dracula“ in Ettlingen allemal eine Reise wert war und noch bis August gespielt wird. Weitere Informationen zu den genauen Spieldaten sowie Tickets sind unter http://www.ettlingen.de/servlet/PB/menu/1121916/index.html erhältlich. (sh) |